Was kostet eigentlich eine Rauchgasreinigung?

AllessaChemie begründete in seinem öffentlichen „Nachbarschaftsdialog“ im April 2011 und im September in der FNP, dass das Unternehmen sich für den dreckigen Energieträger Braunkohlenstaub entschieden habe, um 1 bis 3 Mio € pro Jahr zu sparen.  Sparen ist schön und gut – aber auf Kosten unserer Gesundheit? Und spart man so viel weniger, wenn funktionstüchtige Rauchgasreinigungsanlagen installiert werden?

Der Sachverständige Peter Gebhardt vom Ingenieurbüro für Umweltschutztechnik hat hierzu einige Zahlen zusammengetragen. Ergebnis: Eine Nachrüstung zur wirksamen Luftreinhaltung würde zwischen 100.000 und 250.000 € kosten und geringfügig höhere laufende Betriebskosten (Zukauf von Zusatzstoffen) verursachen. Möglich, dass Allessa und Getec den Betrag zweimal investieren müssten, weil sie ja so trickreich zwei kleine Anlagen gebaut haben, um tiefgehende Umweltprüfungsverfahren zu umgehen und den Kauf von Emissinszertifikaten zu sparen. Trotzdem nicht zu viel, wenn es um unsere Gesundheit geht, sollte man meinen. Nicht der Rede wert im Vergleich zu den 1 – 3 Mio., die jährlich gespart werden.

Bei solch geringen Beträgen fasst man sich an den Kopf und fragt sich: Worüber wird seit 2 Jahren im Stadtteil eigentlich gestritten? Warum? Diese Beträge sind Kinkerlitzchen, verglichen mit dem Schaden, die die Schadstoffe unserer Gesundheit zufügen. Bei solch lächerlichen Summen wäre der Begriff Pille-Palle wirklich angebracht!

Hier ein Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten:

Nachrüstung mit Natriumbicarbonat/Kalk/Aktivkohle. Durch Zugabe von Additiven können in einem Gewebefilter auch saure Schadgase, Dioxine/Furane und Schwermetalle abgeschieden werden. Additive sind bspw.  Kalk oder Natriumhydrogencarbonat . Saure Schadgase  werden bei diesem Rauchgasreinigungsverfahren durch chemische Reaktion oder  Adsorption entfernt. Dadurch wird eine Abscheidung der Schadstoffe im Flugstrom und im als Festbettreaktor wirkenden Filterkuchen erreicht.  Unser Gutachter schätzt, dass mit einer Nachrüstung mit Natriumbicarbonat Abscheidegrade von über ca. 90%, vielleicht sogar 95% erreichbar wären. Bei einem angenommenen Emissionswert von 400 mg/m3 würde man also deutlich unter 40 mg/m3 kommen./span>

Die Kosten einer Nachrüstung (nichtredundante Mühle) würden bei ca. 200.000 – 250.000 € liegen.

Ein Einsatz von Aktivkohle bietet sich als Alternative zum Natriumbicarbonat an. Die ist teurer, dafür braucht man aber nur einen Bruchteil der bei anderen Stoffen notwenigen Menge. Der Kostenaufwand relativiert sich dadurch.  Aktivkohle  weist eine deutlich geringere Neigung zur Entzündung auf und hat daher eine für das Unternehmen günstigere Ex-Schutzoneneinteilung.

Eine sehr einfache Lösung wäre auch die direkte Beimischung von Kalk in die Feuerung (Abscheidegrad: ca. 50%).  Voraussetzung ist, dass der Brenner diese Beimischung verträgt, sicher kein Problem für GETEC.  Die Lösung hat den Nachteil, die Quecksilberemission nicht zu verhindern.

 Nachrüstung mit einer SNCR-Anlage. Bei diesem Verfahren werden dem Feuerraum Ammoniak oder Harnstoff über Düsen zugeführt. Schädliche Stickoxide werden in Stickstoff und Wasser umgewandelt. Dieses Verfahren bedarf einer ausgefeilten Technik, die jedoch für die Experten von GETEC kein Problem darstellen sollte. Es werden NOx-Minderungen bis über 80 % erzielt.  Stickstoffdioxid ist enorm schädlich und macht einen Großteil der bereits vorhandenen Grundbelastung aus. Ohne weitere Maßnahmen bläst das Braunkohlestaubkraftwerk bis zu zusätzliche  96 t toxische Stickoxide jährlich in die Luft. Die Kosten für die Nachrüstung mit einer SNCR-Anlage würden  nach Recherchen des  Gutachters ca. 100.000 € betragen.

Eindüsung von Sorbalit. Sorbalit ist ein Kalk-Kohle-Gemisch, das die simultane Abscheidung von sauren Bestandteilen, flüchtigen Schwermetallen und organischen Komponenten in der Rauchgasreinigung ermöglicht. Mit Sorbalit ist die Abscheidung von sauren und ökotoxischen Schadstoffen bis weit unter die zulässigen Emissionswerte möglich.

Eine Nachrüstung mit einer Sorbaliteindüsung  (Sprühreaktor) ist problemlos möglich. Der Gutachter hält einen Abscheidegrad von deutlich über 50% für möglich.

Die Kosten für die Nachrüstung betragen mindestens 100.000 € . Realistischerweise ist von ca.   250.000 € auszugehen. Einmalige Kosten für ein Silo zur Bevorratung eines Kalk-Kohle-Gemischs (nur nötig bei Kauf von losem Gemisch): 30.000 € – 40.000 €. Kalk-Kohle-Gemisch lose: Bei 245 €/t entstehen jährliche Betriebskosten von 83.000 € – selbst das ist ein Betrag, der im Verhältnis zu den jährlich eingesparten 1 – 3 Mio € praktisch nicht ins Gewicht fällt.

Das Kalk-Kohle-Gemisch kann auch in großen Behältern verpackt bezogen werden. Dann entfallen die Kosten für ein zusätzliches Silo. Das kostet etwas mehr als der Kauf des unverpackten Stoffes, dafür braucht man kein Silo.

In der Bürgerinitiative haben sich neben mir drei weitere Personen gefunden, die bereit sind, notfalls auch die Anfechtung der Genehmigung in der zweiten Instanz zu finanzieren. Wir sind entschlossen: Ein Braunkohlenstaubkraftwerk ohne Rauchgasfilterung können wir uns nicht gefallen lassen – erst recht nicht, wenn man weiss, dass die Kosten überschaubar sind. Gleichzeitig haben wir angeboten, von weiteren rechtlichen Schritten abzusehen, wenn Allessa und Getec die Anlage technisch nachrüsten, so dass zumindest die schlimmsten Umweltgifte aus der Abluft gefiltert werden. Dienstag werden wir wissen, für welchen Weg sich die Unternehmen entscheiden.

Dieser Beitrag wurde unter BI Zukunft Fechenheim, Klage, Rauchgasreinigung, Termine veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s