Über schädlichen Feinstaub in der Luft wird derzeit viel diskutiert. Trotz der Einrichtung der Umweltzone wurden in der Stadt Frankfurt an 42 Überschreitungstagen der Tagesmittelwert von 50 µg/m³ überschritten.
Dies sei, so war der Tagespresse zu entnehmen, hauptsächlich dem Wetter geschuldet. Problematisch seien austauscharme Wetterlagen (Inversionswetterlagen), die im Herbst ungewöhnlich lange andauerten. Fechenheim ist hiervon besonders betroffen. Die Luftqualität ist miserabel: nach der Klimaklassifikation, in der thermische Aspekte und Belüftungsqualität in 6 Kategorien aufgeteilt sind, finden wir Fechenheim in der Kategorie 5 wieder. Fechenheim ist ein Gebiet, das lufthygienisch problematisch ist und unter eingeschränktem Luftaustausch leidet. Mit anderen Worten: Feinstaub, der einmal zwischen den Gebäuden hängt, wird dort länger verbleiben.
Die gasfilterlosen Braunkohlestaubkraftwerke auf dem Allessa-Gelände stoßen doppelt so viel Feinstaub pro m3 Abluft aus wie bspw. das Staudinger Kraftwerk. Daran ändert kein Wetter der Welt etwas. Bis zu 2 t Staub – das sind 2000 kg - werden von der Anlage pro Jahr emittiert. Aus Sicht der Bürger, Umweltmediziner unterstützen diese Sicht, ist jedoch eine Reduzierung der Feinstaubbelastung vordringlich, denn nach den Erfolgen der Luftreinhaltemaßnahmen der vergangenen Jahr(zehnt)e ist der Feinstaub der Stoff, der die höchsten Risiken für die Gesundheit birgt:
Das Umweltbundesamt schreibt, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kam bei der Auswertung von Studien zu folgenden Ergebnissen kam: “Eine Konzentrationsschwelle in der Umgebungsluft, unterhalb derer keine schädigende Wirkung zu erwarten ist, gibt es für Feinstaub nicht. Feinstaub unterscheidet sich somit von anderen Schadstoffen – wie Schwefeldioxid oder Stickstoffdioxid – grundlegend. Für letztere lassen sich Werte angeben, unter denen keine nachteiligen Wirkungen auf die menschliche Gesundheit zu erwarten sind. Feinstaub hingegen ist immer schädlich.
Nicht nur kurzzeitig erhöhte Konzentrationen – zum Beispiel einzelne Tage mit Überschreitungen des Wertes von 50 Mikrogramm PM10/Kubikmeter Luft – führen zu gesundheitlich negativen Wirkungen; gerade längerfristige, geringere Konzentrationen leisten einen deutlichen Beitrag zur Gesamtwirkung. Die Fachleute beobachteten eine annähernd lineare Expositions-Wirkungs-Beziehung.“
Verursacht werden derartige Gesundheitsrisiken durch ein Unternehmen, das selbst in einem Jahr vorgeblich größter wirtschaftlicher Not noch Gewinn erwirtschaftete: Das Ergebnis der AllessaChemie betrug vor Ertragssteuern 3 Mio €. Die Umsatzrendite betrug trotz pressewirksamen Jammerns noch immer 2,5 %. Trotz der bekannten Risiken für die Gesundheit der Anwohner beantragt Antragsteller Getec jedoch, “auf eine kont. Rußzahlmessung” des sogenannten Redundanzkessels 3 zu verzichten. Es sei “warscheinlich“, so wird geschrieben, dass der Redundanzkessel nur wenige Stunden im Jahr über 10 MW gefahren würde. Daher scheint, so urteilt Getec selber ”eine Ausnahmeregelung angemessen”. Praktischerweise bietet das Unternehmen gleichzeitig an, die Betriebsstunden/Leistung selber zu erfassen. Hier der entsprechende Antrag aus der Genehmigungsakte.
Nach Kenntnis der Bürgerinitiative ist dem Antrag stattgegeben worden.
Bewohner des Frankfurter Ostens und der angrenzenden Gebiete fragen sich, ob es angehen kann, dass ein einzelnes Unternehmen auf Kosten der Gesundheit der dort wohnenden Menschen seine Erträge optimiert. Bei der vorliegenden positiven Ertragslage wäre es sicher ein Leichtes gewesen, vom Brennstoff Braunkohlenstaub Abstand zu nehmen. Auch der Einsatz von zeitgemässer Filtertechnik – auf den zugunsten einer Mininallösung verzichtet wurde – wäre dem Unternehmen zumutbar gewesen.
